Plantago is the first plant with which the herbarium of Pseudo-Apuleius begins. This herbarium, which probably originated in the 4th or 5th century AD, is perhaps the most successful herbarium of the Western Middle Ages, the text often accompanied by copious images. With long dark green leaves forming a rosette and six spikes sprouting between them, the plantain, opens an Apuleius manuscript from the 9th century, which was most likely made in the Benedictine monastery of Montecassino (Fig. 1). The leaves of the front circlet create a kind of curvature at the outer edge of the leaf due to the lighter green shading, thus depicting the rosette shape of the plantain while creating a spatial effect. The numerous internal and external uses of plantago, such as for fever, gout or fresh wounds, are written by a later hand between the spikes and leaves and surround the plant like another circle. Nevertheless, in order not to lose orientation and to quickly find the desired effect of plantago, the scribe has underlined the respective field of application.

It is certainly no coincidence that the author, commonly referred to „Apuleius Platonicus“ within the manuscripts, begins his herbarium with the plantago. On the one hand, it is one of the oldest (medicinal) plants from the Mediterranean region, which botanists have been able to trace back to the Neolithic. On the other hand, the etymology of its name is equally significant. Plantago comes from the Latin word „planta”, which means sole of the foot, but also, in a wider meaning, plant or seedling. And „foot sole“ and „seedling“ do not only share the same Latin lemma.[1] According to the Lateinisches etymologisches Wörterbuch, „planta“ goes back to the verb „plantare,“ which the authors translate as „to tramp down the earth around the seedling, to plant.“[2] The sole of the foot and the seedling, respectively man and plant, are thus placed in a mutually dependent relation by the joint etymology of the term „planta“.
From a botanical perspective, this is again very revealing for plantago: indeed, plantain is one of those plants that disseminate primarily anthropogenically.[3] Growing in the middle of the path, the seeds affix themselves to the soles of the feet of those who step on it, so that plantain literally follows humans wherever they go. In this way it has been carried to the so-called New World. As a matter of fact, plantago was the first plant to ‚migrate‘ from Europe to the Americas. Its ability to accompany humans can also be traced into indigenous languages: „White Man’s Footstep“ is the name given to plantain by the Native Americans upon its arrival.[4]
In German, too, the name “Wegerich” for plantain is one of the oldest plant names, appearing as early as around 800 in the so-called Basel recipes, and can be traced back to Old High German on the basis of numerous records. In a Latin-Alemannic plant glossary from the 10th century, for example, „vuegorich“ is written next to plantago (Fig. 2). Likewise, in a recipe against fever, poison, and snakebites, where „plantagine“ is explained by the interlinear gloss „uuegerih“ (Fig. 3).


Unlike in Latin and indigenous languages, the German name „Wegerich“ seems to refer not to its anthropogenic distribution, but to its location along the path. According to H. Marzell, the Old High German suffix “-rich” should indicate a male name[5] and can therefore be paraphrased as „male plantain“ (Wegmännlein).[6] The close interrelationship of human and plant is thus also manifested here in the personification of the plant into a personal name.
The late antique author of the herbarium could hardly have chosen a better plant than the plantago to begin his book on remedies useful to man. Moreover, Pseudo-Apuleius ends his book with the notorious Mandragora, whose root resembles a human body, which is why it is often depicted with arms and legs, as seen here in a manuscript dated to the 9th century (Fig. 4). What begins with the plantain as the plant that follows humans, ends with the anthropomorphic mandragora, which becomes the visual symbol of the unification of humans and plants.

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[1] Cf. Helmut Genaust, s.v. plantago, in: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Hamburg 20123, p. 491.
[2] Alois Walde/Johann Baptist Hofmann, s.v. planta, in: Lateinisches etymologisches Wörterbuch, vol. 2, Heidelberg 2007-20086, p. 317.
[3] Cf. generally Pieter Jan Cornelis Kuiper/Marten Bos (eds.), Plantago. A Multidisciplinary Study, Heidelberg 1992.
[4] Robin Wall Kimmerer, Braiding Sweetgrass, Minneapolis 2013, S. 213.
[5] Heinrich Marzell, s.v. plantago major, in: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, vol. 3, Stuttgart/Wiesbaden 1977, p. 816.
[6] Roland Ris, Das Adjektiv reich im mittelalterlichen Deutsch. Geschichte – semantische Struktur – Stilistik, Berlin/Boston 1971, p. 133.
Plantago oder das Verhältnis von Mensch und Pflanze
Der Plantago, zu deutsch Wegerich, ist die erste Pflanze mit dem das Herbar des Pseudo-Apuleius beginnt. Dieses vermutlich im 4. oder 5. Jahrhundert n. Chr. entstandene Herbar ist das vielleicht erfolgreichste Herbar des westlichen Mittelalters, das oftmals mit Pflanzenbildern ausgestattet wurde. Mit langen dunkelgrünen wie eine Rosette sich schließenden Blättern und sechs dazwischen hervorsprießenden Ähren eröffnet beispielsweise dieses Pflanzenbild des Wegerichs eine Apuleius-Abschrift aus dem 9. Jahrhundert, die sehr wahrscheinlich im Benediktinerkloster von Montecassino angefertigt wurde (Abb. 1).

Die Blätter des vorderen Kranzes erzeugen durch die hellere Grünschattierung am äußeren Blattrand eine Art Wölbung, wodurch die Rosettenform des Wegerichs abgebildet ist und zugleich eine räumliche Wirkung erzeugt wird. Die zahlreichen inneren und äußeren Anwendungen von Plantago, wie beispielsweise bei Fieber, Gicht oder frischen Wunden, sind von einer späteren Hand zwischen die Ähren und Blätter geschrieben und umspielen die Pflanze wie einen weiteren Kranz. Um dennoch nicht die Orientierung zu verlieren und schnell die gewünschte Wirkweise des Plantago zu finden, hat der Schreiber das jeweilige Anwendungsgebiet unterstrichen.
Es ist sicherlich nicht von ungefähr, dass der in den Handschriften allgemein als „Apuleius Platonicus“ bezeichnete Autor sein Herbar mit der Plantago beginnen lässt. Zum einen handelt es sich um eine der ältesten (Heil-)Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, die Botaniker bis ins Neolithicum zurückverfolgen konnten. Zum anderen ist auch ihr Name in vielfacher Hinsicht aufschlussreich. Plantago stammt von dem lat. Wort „planta“= Fußsohle, aber natürlich erinnert das Substantiv zunächst an die weitere Bedeutung von „planta,“ nämlich Pflanze bzw. Setzling. „Fußsohle“ und „Setzling“ teilen sich aber nicht nur das gemeinsame lateinische Lemma.[i] Gemäß dem Lateinischen etymologischen Wörterbuch geht „planta“ auf das Verb „plantare“ zurück, das die Autoren mit „die Erde um den Setzling festtreten, pflanzen“ übersetzen.[ii] Fußsohle und Setzling, respektive Mensch und Pflanze, werden also durch die gemeinsame Etymologie des Begriffs „planta“ in eine sich bedingende Relation gesetzt.
Aus der Perspektive der Pflanzenwissenschaft ist dies wiederum sehr aufschlussreich für den Plantago: tatsächlich gehört der Wegerich zu den Pflanzen, die sich vor allem anthropogen verbreiten.[iii] Mitten auf dem Weg wachsend, heften sich die Samen an die Fußsohle der Menschen, die auf ihn treten, so dass er dem Menschen förmlich auf Schritt und Tritt folgt. Auf diese Weise ist der Plantago beispielsweise in die sog. Neue Welt getragen worden. Als erste Pflanzen, die von Europa nach Amerika ‚wanderte‘ ist ihre den Menschen begleitende Eigenschaft auch in der indigenen Sprache nachweisbar: „Fußabdruck des weißen Mannes“ lautet der Name, den die Native Americans dem Wegerich bei seiner Ankunft gaben.[iv]
Auch im Deutschen zählt der Name Wegerich zu den ältesten Pflanzennamen, der schon um 800 in den sog. Basler Rezepten erscheint und anhand zahlreicher Belege im Althochdeutschen nachweisbar ist. In einem lateinisch-alemannischen Pflanzenglossar aus dem 10. Jahrhundert (Abb. 2) steht beispielsweise neben Plantago „vuegorich“ geschrieben. Ebenso wie in einem Rezept gegen Fieber, Gift und Schlangenbisse, wo „plantagine“ mit der Interlinearglosse „uuegerih“ erklärt wird (Abb. 3).


Anders als im Lateinischen und der indigenen Sprache scheint der deutsche Name nicht auf seine Verbreitung über die Fußsohle, sondern auf seinen Standort am Weg zu referieren. Das ahd. -rich soll nach H. Marzell einen Männernamen kennzeichnen[v] und kann daher mit „Wegmännlein“[vi] umschrieben werden. Das enge Wechselverhältnis von Mensch und Pflanze zeigt sich also auch hier in der Personifizierung der Pflanze in einen Personennamen, dem Wegerich.
Der spätantike Autor des Herbars hätte wohl kaum eine bessere Pflanze als den Plantago wählen können, um sein Buch über die dem Menschen dienlichen Heilmittel zu beginnen. Enden lässt er seine Schrift übrigens mit der berühmt-berüchtigten Mandragora, deren Wurzel an einen menschlichen Körper erinnert, weshalb diese oft mit Armen und Beinen dargestellt wird, wie hier in einem Herbar aus dem 9. Jahrhundert (Abb. 4). Was mit dem Wegerich als die dem Menschen folgende Pflanze beginnt, endet also mit der anthropomorphen Mandragora, die zum visuellen Sinnbild der Verschmelzung von Mensch und Pflanze wird.

Mehr zum aktuellen Wechselverhältnis von Mensch und Pflanze findet sich in dem wunderbaren Podcast „Root of the Matter“ von JC Niala, der anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Wellcome Collection erstellt wurde und in fünf Episoden die Themen Garden, Farmland, Woodland, Wetlands und Wasteland behandelt.
[i] S. Helmut Genaust, s.v. Plantago, in: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Hamburg 20123, S. 491.
[ii] Alois Walde/Johann Baptist Hofmann, s.v. planta, in: Lateinisches etymologisches Wörterbuch, Bd. 2, Heidelberg 2007-20086, S. 317.
[iii] Cf. allgemein Pieter Jan Cornelis Kuiper/Marten Bos (Hrsg.), Plantago. A Multidisciplinary Study, Heidelberg 1992.
[iv] Robin Wall Kimmerer, Braiding Sweetgrass, Minneapolis 2013, S. 213.
[v] Heinrich Marzell, s.v. plantago major, in: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Bd. 3, Stuttgart/Wiesbaden 1977, S. 816.
[vi] Roland Ris, Das Adjektiv reich im mittelalterlichen Deutsch. Geschichte – semantische Struktur – Stilistik, Berlin/Boston 1971, S. 133.